Vereint durch Spielzeug Partnerschaften Die Märklinstadt Göppingen und die Spielzeugstadt Sonneberg sind seit 1990 offiziell verbunden. Ein Ausflug in die thüringische Partnerstadt lohnt. Von Margit Haas

Das Sonneberger Rathaus ist für eine 28 000-Einwohner-Stadt ein imposantes Gebäude. Aber auch sonst haben Göppingens thüringischer Partner und dessen Umgebung viel zu bieten.

Statt einer Fernreise mal einen Ausflug in eine der Göppinger Partnerstädte unternehmen? Sonneberg in Thüringen bietet sich da an. Der Kreis Sonneberg liegt am Südhang des Thüringer Waldes. Die Kreisstadt mit ihren 28 000 Einwohnern öffnet sich in die offene Landschaft hinein und bietet viele touristische Attraktionen. An erster Stelle sei das Deutsche Spielzeugmuseum genannt, das bereits 1901 als „Industrie- und Gewerbemuseum“ gegründet worden war. Es gilt damit als älteste Spezialsammlung für Spielzeug in Deutschland. Zu den Kostbarkeiten der Sammlung gehören Sonneberger Holzspielwaren, Figuren aus Pappmaché und Spielzeug aus der ganzen Welt. Das bekannteste Ausstellungsstück ist die „Thüringer Kirmes“, die mit 67 lebensechten Figuren ein typisch ländliches Volksfest vorstellt.

Sonneberg kann aber auch mit einem Astronomie-Museum in der Sternwarte aufwarten. Es ist seinem Gründer Cuno Hoffmeister gewidmet und hat heute eine Sammlung von rund 300 000 langzeitbelichteten Himmelsfotografien – eine der größten Sammlungen der Welt.

Verschiedene ausgewiesene Rundgänge führen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die „Historische Meile“ beginnt am Hauptbahnhof, führt am neuen Rathaus vorbei zu verschiedenen herausragenden Bauwerken zur Villa Amalie, vorbei am Marktplatz bis zum Alten Bahnhof. Die „Spielmeile“ sorgt für viel Spiel und Spaß bei kleinen Stadtbummlern, die rund um die Bahnhofstraße ganz unterschiedliche Spielgeräte finden.

Auch Mittelalterliches lässt sich in der thüringischen Stadt finden, wie ein entsprechender Rundgang zeigt. Er führt hinauf zum Schlossberg. Die um 1200 von den Herren von Sonneberg errichtete Burganlage erhielt wohl im 14. Jahrhundert durch ihre sonnige Lage ihren Namen, der dann auf die Stadt überging. Im 17. Jahrhundert zerstörte ein Unwetter die gesamte Anlage. Heute findet sich dort ein modernes Schlosshotel. Im Tiergarten erwarten den Besucher zahlreiche Vögel und heimische Tierarten. Die multifunktionale Freizeiteinrichtung „SonneBad“ bietet zu jeder Jahreszeit zahlreiche sportliche Angebote vom Freizeitbad bis zur Eishalle.

Nicht nur die Stadt hat also eine Vielzahl von Angeboten. Die nähere Umgebung lädt ein zum Wandern oder Radfahren. Zahlreiche weitere Museen öffnen ihre Türen für Zeitreisen. In den neunziger Jahren entstand das Gold-Museum Theuern. Dort können die Besucher selbst versuchen, Gold zu waschen. Das Porzellan-Museum oder das Schildkröt-Puppen-Museum in Rauenstein, das Heimatmuseum Schalkau oder das Schiefer-Museum Steinach – sie alle lassen längst vergangene Zeiten lebendig werden.

Das Museum für Glaskunst hat indirekt sogar Verbindungen in den Landkreis Göppingen. Der Mitbegründer der Glasindustrie im Thüringer Wald im 16. Jahrhundert, Hans Greiner, entstammt einer württembergischen Glasmacherdynastie und produzierte Glas im Nassachtal bei Uhingen.

Nach der Wende schnell Partner geworden

Tradition Nicht einmal ein Jahr nach der Wende von 1989 besiegelten Göppingen und Sonneberg ihre Städtepartnerschaft. Sowohl die Märklin- Stadt im Schwäbischen wie auch die thüringische Spielzeugstadt haben eine reiche Tradition als Industriestandort.

Informationen zu den touristischen Besonderheiten, zu Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten unter www.sonneberg.de

Die Jubiläumsfeier fällt aus

Aufgeschoben Eigentlich wollten die Sonneberger und die Göppinger heute gemeinsam den Maientag feiern.

Göppingen/Sonneberg. Ilona Abel-Utz ist traurig. Vor ihr liegt das Programm für den Besuch des Bürgerbusses aus Sonneberg, der für dieses Wochenende erwartet worden war. Die Thüringer wollten mit den Göppingern nicht nur gemeinsam den Maientag feiern. Erinnert werden sollte auch daran, dass es im Herbst 30 Jahre werden, dass sich Oberbürgermeister und Gemeinderäte beider Städte zur feierlichen Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages getroffen hatten.

Ilona Abel-Utz, die damals ganz neu in den Göppinger Gemeinderat gewählt worden war, erinnert sich an erste Fahrten in den Osten. Daran, wie es damals dort aussah. Und sie weiß, dass der ehemalige Oberbürgermeister Hans Haller bereits Ende der achtziger Jahre, noch zu Zeiten der DDR, versucht hatte, eine Partnerschaft nach Sonneberg zu realisieren. Und auch, dass er nach der Wende die Stadtverwaltung Sonnebergs umfangreich unterstützte.

Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Städten gab es gleich mehrere. Judith, eine Halbschwester von Barbarossa, hatte den thüringischen Landgrafen geheiratet. Und es gab hüben wie drüben Spielzeugindustrie. „1990 entstanden Freundschaften, die bis heute halten“, freut sich die pensionierte Lehrerin. Sie erinnert sich aber auch, dass die Partnerschaft zur Jahrtausendwende Ermüdungserscheinungen zeigte. Mit der Gründung von Arbeitskreisen hier und dort konnte sie aber wiederbelebt und aktiv gestaltet werden. Seit 2006 fährt im Wechsel jedes Jahr ein Bürgerbus in die Partnerstadt. Im vergangenen September verabschiedeten sich die Göppinger mit dem Versprechen, sich in diesem Jahr beim Maientag wieder zu sehen. Daraus wird nun nichts – vorerst. „Wir verschieben das gesamte Programm in das kommende Jahr und wird dann genau so wie vorgesehen nachgeholt“, verspricht die Sprecherin des Arbeitskreises.

Leider sei es nicht gelungen, Schulpartnerschaften zu begründen, bedauert Ilona Abel-Utz. Auch fehle es an jüngeren Menschen in Göppingen und Sonneberg, die sich ehrenamtlich für die Partnerschaft engagieren. Braucht es sie heute überhaupt noch? Ilona Abel-Utz antwortet mit einem entschiedenen „Ja! In der innerdeutschen Geschichte haben wir noch ganz viel Nachholbedarf.“ Margit Haas

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