Neustart in der Grundschule Bildung Die Viertklässler hatten gestern ihren ersten Schultag nach der Corona-Zwangspause. Es war anders, aber schön für die Kinder. Von Susann Schönfelder

Erster Tag für die Viertklässler der Göppinger-Uhland-Grundschule: Rote und Grüne Schilder regeln, wer wo sitzen darf. Abstand halten, lautet das Gebot der Stunde.

Auf dem Hof der Göppinger-Uhland-Grundschule sind Punkte gemalt, für jede der drei Klassen gibt es eine Linie. Die Viertklässler kommen am Morgen zeitversetzt, im Abstand von zehn Minuten. „Die Klassen sind jeweils geschlossen hochgegangen und haben sich die Hände gewaschen – natürlich mit Abstand“, schildert Schulleiterin Andrea Honold den ersten Schultag vor Ort nach der wochenlangen Corona-Pause. In den Klassenzimmern zieren farbige Schilder die Tische. Grüne mit dem Namen des jeweiligen Kindes, rote als Stopp-Signal: Dieser Platz bleibt frei. Die Klassen werden geteilt, um nicht zu nahe aufeinander zu sitzen. Als Willkommensgruß gibt es eine kleine Leckerei.

Die Viertklässler seien anfangs etwas irritiert gewesen, sagt Honold, „haben sich aber unendlich gefreut“. Der erste Tag mit vielen neuen Regeln in Corona-Zeiten habe sehr gut geklappt, freut sich die Schulleiterin. „Die Kinder stellen sich drauf ein.“ Ein Junge habe zu ihr gesagt: „Wenigstens wieder ein Stück Normalität im Alltag.“

Im Moment ist den Kindern und uns allen durch eine Katastrophe Schaden zugestoßen.

Jörg Hofrichter
Leitender Schulamtsdirektor

Bei der Organisation des ersten Schultags musste es schnell gehen, sagt die Schulleiterin. Um den weiteren Betrieb zu planen, sei mehr Zeit da. Nach den Pfingstferien wird der Präsenzunterricht an den Grundschulen rollierend ablaufen, das heißt die Klassenstufen eins und drei beziehungsweise zwei und vier werden im wöchentlichen Wechsel an die Schule kommen. Nach einer Woche Unterricht an der Schule ist wieder eine Woche lernen zu Hause angesagt. Hinzu kommen die Kinder der Notbetreuung. Für Schüler, die nicht in die Schule kommen, muss der Fernlernunterricht organisiert werden. „Noch sind genügend Lehrer da“, meint Andrea Honold. Nach den Ferien werde es jedoch schwieriger, weil eben auch Lehrer zur Risikogruppe gehören.

Noch richtet sich jedoch der Blick in den Grundschulen auf die Viertklässler, für die in wenigen Wochen der Übergang in die weiterführende Schule ansteht. „Diese lebensbiographisch bedeutsame Schnittstelle, an die sich jeder von uns selbst auch noch erinnert, ist mit Hoffnungen, Ängsten, Abschied sowie auch ganz formalen Erfordernissen verbunden“, betont Schulamtsleiter Jörg Hofrichter. Was in diesem Schuljahr für die Kinder an der Grundschule nicht erreicht werde, könne im nächsten Jahr nicht nachgeholt werden, weil sie schlichtweg nicht mehr da sind. „In der Konsequenz müssen wir für diese Schülergruppe unter besonderem Zeitdruck alles tun, damit der Übergang möglichst gut gelingt.“ Dabei verliere man jedoch die anderen Kinder nicht aus dem Blick und versuche, auch für sie ein gutes Unterrichtsangebot sicherzustellen.

Auch viele Eltern von Vorschulkindern machen sich in diesen Zeiten Gedanken, wie ihr Kind nach der langen Pause im Herbst den Start ins Schulleben schaffen soll. Fertige Pläne gibt es da noch nicht: „Zu einem konkreten Szenario kann ich derzeit keine Aussage treffen“, sagt Hofrichter. Fest steht aber: „Diese Kinder können definitiv ab September nicht ihre ersten Schulwochen ihres Lebens in Fernlernen verbringen, das ist faktisch unmöglich.“ Daher werde an diesem Thema unter Hochdruck gear­beitet.

Der Leitende Schulamtsdirektor macht aber kein Hehl daraus, dass die Corona-Pandemie insgesamt eine Katastrophe ist – für alle gesellschaftlichen Bereiche und eben auch für Kinder, „Wir werden den Grundschulkindern die Schulwochen, die sie jetzt nicht oder nur als Fernlernen erlebt haben, nicht wiederbringen können. Jedes Kind erlebt jeden Schultag in seiner Schullaufbahn genau einmal“, nennt Hofrichter diese bittere Wahrheit beim Namen und fügt hinzu: „Wir bemühen uns, den Schaden so gering wie möglich zu halten.“ Ziel sei es, dass diese Ausfälle in der Schullaufbahn der Kinder bis in ein oder maximal zwei Jahren ­keine negativen Spuren mehr zeigten.

Ob Unterrichtsstoff, der jetzt ausgefallen ist, im kommenden Schuljahr nachgeholt wird, hänge vom Fach, der Klassenstufe und dem Einzelfall ab, sagt der Schulamtsleiter. Unabdingbare Lerninhalte könnten komprimiert zusammengefasst werden, dafür müsste dann eine „schöne Unterrichtsstunde“ wegfallen. Für Kinder, die ab Herbst eine weiterführende Schule besuchen, gebe es bei Bedarf Förderangebote.

Vorgehen bei Infektionen

Nun müssen die Grundschulen aber erst einmal in den neuen Alltag zurückfinden. Jede Einrichtung habe da Ermessens- und Entscheidungsspielräume – natürlich immer unter der Prämisse, die Weisungen des Kultusministeriums einhalten zu müssen. Und was passiert, wenn sich trotz aller Vorsichts- und Hygieneregeln ein Lehrer oder ein Kind mit dem Coronavirus ansteckt? Eine sofortige Schließung der Einrichtung sei nicht notwendig, sagt Hofrichter, an mehreren Standorten habe es bereits Infektionsfälle gegeben. In jedem Einzelfall prüfe das Gesundheitsamt die Sozialkontakte und mögliche Infektions­ketten. In manchen Fällen sei es zu einer Teilschließung ge­kommen, in anderen Fällen habe die ­In­fektion gar keine Folgen für den Schulbetrieb gehabt. Je besser die Regeln eingehalten würden, ­ „desto besser kann ein einzelner ­Ansteckungsfall abgefedert werden.“

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