Louisa Eberles Haare reichen nur noch bis zu den Schultern. Den Rest hat sie gespendet. Dem Familienhund Grismo gefällt es. Von Margit Haas

Louisa spendet geliebten Zopf

Symbolik Eine zehnjährige Göppingerin entschloss sich, ihre langen Haare herzugeben, damit daraus eine Perücke für ein krebskrankes Kind werden kann.

 

Louisa Eberles Haare reichen nur noch bis zu den Schultern. Den Rest hat sie gespendet. Dem Familienhund Grismo gefällt es. Haas.

 

Sie hat dichtes dunkles Haar bis zu den Schultern – Louisa Eberle fährt sich durch ihre Haare und erinnert sich genau an einen Augenblick vor zwei Wochen. Sie war mit ihrer Mama nach Deggingen im Täle zum Friseur gefahren. Seit Jahren hatte sich die Zehnjährige maximal die Spitzen schneiden lassen und so reichte der Zopf, den ihre Mama jeden Morgen flocht, mittlerweile bis zum Po. Louisa erinnert sich an den Moment, als der Friseur ihr den Zopf abschnitt. Obwohl sie sich zuvor bewusst dazu entschlossen hatte, sagt sie: „Ich war geschockt und habe keine Luft mehr bekommen.“

Und wie kam die Aktion? „Es war die Idee meiner Mama, mir die Haare schneiden zu lassen. Ich habe eine Weile überlegt und mich dann entschlossen, meine Haare zu spenden.“ Jetzt werde daraus für ein krebskrankes Kind eine Perücke gemacht.

 

Meine Oma wäre stolz auf mich gewesen. Louisa Eberle, Schülerin

 

Die kleine Göppingerin Louisa hatte vor vier Jahren ihre Oma an die heimtückische Krankheit verloren. Die trug zwar nur ausnahmsweise ihre Perücke und behalf sich lieber mit einer Strickmütze. Gleichwohl sind sich Louisa und ihre Mama Arlette sicher: „Sie wäre stolz auf mich gewesen“.

Im Gespräch mit der Schülerin, die am Hohenstaufen-Gymnasium die Fächer Kunst und Sport am liebsten hat, wird ihr Zwiespalt spürbar. Einerseits: „Ich habe immer ewig gebraucht, bis meine Haare geföhnt waren und musste sich auch immer zusammenbinden. Jetzt verknoten sie beim Kämmen nicht mehr und ich kann mit offenen Haaren in die Schule gehen und alles ist viel einfacher.“

Andererseits: Ihr scheinen die langen Haare, die sie ausmachten, auch zu fehlen. „Ich werde sie wieder wachsen lassen und noch einmal für einen krebskranken Menschen spenden“, sagt die leidenschaftliche Reiterin und greift sich in ihr Haar. Louisas Mama Arlette hat selbst lange Haare und wollte sie ebenfalls spenden. „Das geht aber nur bei Haaren, die noch nie gefärbt worden waren.“

Und was sagten ihre Freundinnen zu Louisas radikalem Haarschnitt? „Sie haben am Anfang gar nicht geglaubt, dass ich die Haare tatsächlich abschneiden lasse.“ Als sie dann das erste Mal mit der neuen Frisur in die Schule gekommen sei, „haben sie mich von hinten nur am Schulranzen erkannt“, erzählt das Mädchen lachend. Allen gefiel der neue Schnitt, und alle waren beeindruckt von dem mutigen Schritt. Louisa und ihre ihre Mama verstehen allerdings nicht, dass die Lehrer sie nicht angesprochen haben und die Gelegenheit nutzten, das Thema Krebs aufzugreifen.

Die französische Bulldogge Grismo kümmert sich nicht um das Haarstyling. Der lebhafte Familienhund kann kaum stillsitzen und nimmt Louisa so, wie sie ist – mit kurzen oder langen Haaren.

 

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