Vesperkirche: Miteinander an einem Tisch - Begegnung - Gestern war der Auftaktgottesdienst für die Göppinger Vesperkirche. Jeder kann so kommen, wie er ist. In der Göppinger Stadtkirche gibt es wieder für einige Wochen Essen. Von Annerose Fischer-Bucher

Die Göppinger Vesperkirche gibt es seit 25 Jahren und gestern wurde sie wieder mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche eröffnet. Danach gab es wie jedes Jahr großen Andrang auf das leckere Essen, das von der Zentralküche der Wilhelmshilfe Bartenbach gekocht wird. Etwa 80 Ehrenamtliche sorgen sechs Wochen lang täglich in ihrer Freizeit für die Vorbereitungen und für einen reibungslosen Ablauf mit täglich etwa 170 Gästen, einer bunten Mischung aus allen gesellschaftlichen Schichten.

Jeder dürfe so kommen und gehen, wie er ist, sagte Wolfgang Baumung, Leiter des Hauses Linde, der Wohnungslosenhilfe im Landkreis Göppingen, bei der Begrüßung. „Wir müssen lernen, uns mehr über das Tun zu definieren als über das Haben“, sagte er. Es gehe bei der Vesperkirche um Solidarität in einer Zeit, in der Arm und Reich immer mehr auseinanderdrifteten. Dadurch, dass man gemeinsam an einem Tisch sitze und miteinander rede, könne man diese Solidarität leben. Und man sehe, dass es funktioniere, denn die Vesperkirche stehe für Respekt und Toleranz gerade in einer Zeit, in der zunehmend versucht werde, die Gesellschaft zu spalten.

Beim Mittagessen bezahle jeder, was er kann, und jeder bekomme, was er braucht. Die begleitenden Mittagsgedanken durch Pfarrerinnen und Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde sollen zudem für Mut und Nahrung für die Seele im oft nicht leichten Alltag sorgen. Baumung dankte allen Spendern, die für die etwa 55 000 Euro Kosten für 7700 Essen im vergangenen Jahr aufgekommen waren, die der Verein Haus Linde als Veranstalter über Spenden finanzieren muss. Baumung hofft auch in diesem Jahr wieder auf großzügige Spenden. Er dankte allen Helfern, den Solidaritätspartnern der Stadtkirchen-Oberhofengemeinde und der Zentralküche der Wilhelmshilfe Bartenbach, die für die Zubereitung der Speisen keine Personalkosten verlangt, sowie den Mitarbeitern des Hauses Linde, deren tägliche Arbeit trotzdem weiterlaufen muss.

Die musikalische Begleitung des Gottesdienstes hatte wie in den vergangenen Jahren die „Rentnerbänd“, ein großes Blechbläserensemble des Evangelischen Kirchenbezirks unter der Leitung von Gerald Buß, übernommen. Mit der Ouvertüre aus der Feuerwerksmusik von Händel hatten sie die Vesperkirche feierlich eingeleitet und die Kirchenlieder begleitet. Zum Abschluss des Gottesdienstes spielten die Musiker gekonnt die bekannte Fanfare des französischen Barockkomponisten Jean-Joseph Mouret, bevor die Besucher sich in einer langen Schlange zum Essen und zu Kaffee und Kuchen anstellten. Schon hier konnte man beobachten, wie sich verschiedene Menschen in einer aufgeräumten, zwanglosen und hoffnungsvollen Atmosphäre unterhielten und sich freuten, etwa alte Bekannte vom letzten Jahr wieder zu treffen. 

Info Öffnungszeiten in der Stadtkirche Göppingen: 6. Januar bis 16. Februar, täglich von 11.30 bis 13.30 Uhr. Telefonkontakt zur Koordination von Kuchenspenden immer 10.30 bis 12 Uhr: (07161) 686834. Abgabe (keine Kuchen mit Sahne oder rohen Eiern) im Pavillon der Stadtkirche.

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