Festlicher Abschied mit Kontrasten - Konzert Fulminante Silvester-Soirée in der Göppinger Stadtkirche mit dem Stuttgarter Trompetenensemble und dem sich nun im Ruhestand befindenden Klaus Rothaupt an der Orgel. Von Annerose Fischer-Bucher

Das Stuttgarter Trompetenensemble – (von links) Christian Nägele, Johannes Knoblauch und Joachim Jung – sowie Uwe Arlt sind beim ­Abschied von Klaus Rothaupt in der Göppinger Stadtkirche dabei.

0bwohl noch zusätzliche Stühle aufgestellt wurden, reichten die Plätze im Kirchenschiff und auf den Emporen der Göppinger Stadtkirche für die vielen Besucher nicht aus, so dass Zuhörer sogar auf dem Boden sitzen mussten. Und am Ende gab es Standing Ovations und drei Zugaben bei der Silvester-Soirée mit virtuosen Orgelwerken und glanzvoller Trompetenmusik, mit der sich Bezirkskantor und Kirchenmusikdirektor Klaus Rothaupt gemeinsam mit dem Stuttgarter Trompetenensemble von seinem Göppinger Publikum verabschiedete.

Die Künstler hatten ein festliches Programm zusammengestellt, das sich durch sorgfältig ausgewählte Kontraste auszeichnete. Prachtvolle und tänzerische Barockmusik mit Pauken und Trompeten zusammen mit der Orgel (Mouret und Purcell) und romantische Vertonungen mit ruhig-zarter Registrierung (Mendelssohn und Brahms) wechselten zu temperamentvollen Spirituals und französischer Orgelmusik des 20. Jahrhunderts, um in einer triumphalen Dank-Choralbearbeitung von Sigfrid Karg-Elert zu enden.

Farben- und Klangreichtum

Mit „Sinfonies de Fanfares“ des barocken französischen Komponisten  Jean-Joseph Mouret begann der festliche Auftakt der Soirée. Hier zeigte das Trompetenensemble Stuttgart (Christian Nägele, Johannes Knoblauch und Joachim Jung), welchen Farben- und Klangreichtum man mit verschiedenen Trompeten erzeugen kann, hatten sie doch unter anderem Corni da caccias im Einsatz. Diese Diskant-Hörner klangen trotz ihrer Höhe in einem dunkel gefärbten und butterweichen Hornton und eigneten sich hervorragend etwa für Mendelssohns berührenden Ausschnitt „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ aus dem „Elias“ und für die vom zeitgenössischen Züricher Trompetenvirtuosen Claude Rippas arrangierten Spirituals

Virtuos, technisch perfekt und musikantisch im Zusammenspiel generierten die Bläser, ein rhythmisch hoch-versierter und sensibler Uwe Arlt an den Barock-Pauken und am Schlagzeug und Klaus Rothaupt an der Orgel umwerfend gepflegten und den musikalischen Parametern angepassten, differenzierten Sound. Besonders auffällig war dies bei den Spirituals und bei der letzten Zugabe mit „Hymn of Freedom“ von Oscar Peterson.

Klaus Rothaupt erwies sich nicht nur wieder als exzellenter Team-Player, sondern als Meister der Orgelkunst. Als Liebhaber französischer Orgelmusik interpretierte er großartig Louis Viernes virtuoses „Carillon de Westminster“ – mit verschiedenen Pedal-Soli, durchlaufenden Ostinati und eingestreuten Motiven in der sinfonischen Tradition eines César Franck. Diese verlangt eine völlige Unabhängigkeit von Händen und Füßen. In der Registrierung und in der Artikulation durchsichtig, zeigte sich ein meisterhaftes, klangmalendes und agogisches Spiel mit hoher musikalischer Sensibilität.

Vorstellung der „Hornpipe“

Besonders schön war auch die Vorstellung der „Hornpipe“ durch die Orgel in der „Suite Cathedrale“ von Henry Purcell, die sowohl den Tanz als auch das Holzblasinstrument mit Einfachrohrblatt und Schalltrichter mit einem Zungenregister nachahmte.

Passend zum Anlass – der Ausklang des alten Jahres und der Abschied von Klaus Rothaupt – waren „Nun danket alle Gott“ und die Zugaben gewählt. Letztere brachten zwei Schluss-Choräle aus Bachs Weihnachtsoratorium zu Gehör, das Rothaupt während seiner Zeit als Kantor viele Male aufgeführt hat, sowie die locker-leichte Hymne von Oscar Peterson auf die – neue – Freiheit, die nun im Ruhestand auf den außergewöhnlichen Musiker wartet.

Klaus Rothaupt sagt musikalisch „ade“

Klaus Rothaupt, Bezirkskantor und Kirchenmusikdirektor in Göppingen, verabschiedete sich nach 25 Jahren mit der Silvester-Soirée von seinem Göppinger Publikum. Er ging am 31. Dezember 2019 in den Ruhestand.

Mit dem professionellen Trompetenensemble Stuttgart verbindet ihn eine langjährige musikalische Freundschaft. Die drei Musiker haben deshalb, wie sie in einer kurzen Ansprache sagten, auch zu seinem Abschied gerne gemeinsam mit ihm musiziert.

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