Leiser Charme der Exoten - Exkursion - Besucher ließen sich im Rahmen des Sommers der Ver-Führungen vom Donzdorfer Schlosspark und von der Geschichte des Schlosses verzaubern. Von Annerose Fischer-Bucher

Man sah schon, dass einige Bäume unter dem Klimawandel und der damit verbundenen Trockenheit gelitten haben und leiden. Dadurch dass jedoch im Donzdorfer Schlosspark mehrheitlich Exoten stehen, waren die Auswirkungen nicht ganz so krass. Dafür glänzten die alten Bäume bei hochsommerlichen Temperaturen mit einem leisen Charme, der zum Verweilen und Relaxen einlud.


Die Gästeführerin beim Sommer der Ver-Führungen, Gerlinde Siegner, führte die Gruppe zunächst vom Brunnen im östlichen Schlosshof zum Wappen der Rechberger an der heutigen Rathauswand und erläuterte die Geschichte der gräflichen Familie, ihrer Domizile und des 1568 erbauten Renaissance-Baus in Donzdorf. Danach ging es in den Park mit dem alten Baumbestand, wo Siegner, die in Steinenkirch wohnt und über die Landfrauen die Ausbildung „Gartenführung“ absolvierte, viele interessante Details zur früheren Park-Gestaltung und zur heutigen Nutzung zu erzählen wusste.


Der Blick vom Schloss in den Park, der links und rechts von vornehmlich alten Exoten umsäumt wird, hat es in sich und endet in der Weite bei einer großen alten Platane. Direkt vor dem Schloss erfuhren die Gäste etwas über die beiden großen Blumenbeete und deren Anpflanzungen: besondere Neuzüchtungen von Rosen wie die ADR-Arten, die Trockenheit und Schädlingen besser standhalten sollen, die Orangekönigin als Bodendeckerin, fette Henne, Phlox, Katzenminze, Distelarten, der gelbe und rote Sonnenhut oder das gelbe Brandkraut, das Hummeln so schätzen.


Der Brunnen mit den Seerosen sei noch der Rest aus den Anfängen der Anlage, sagte Siegner, die die Konzeption der gesamten Anlage erläuterte, die heute im Eigentum der Stadt Donzdorf ist. Als Nebenresidenz der Rechberger sei die Anlage, die zuvor an Württemberg verkauft worden sei, 1765 zurückgekauft worden. Maximilian Emanuel von Rechberg habe sich die Gärten von Versailles angeschaut und zusammen mit einem Stuttgarter Architekten 1770 mit der Gestaltung der Anlage begonnen. In der Verlängerung der heutigen Blumenbeete hätten sich Becken mit Wasserfontänen befunden und im oberen Teil eine Orangerie mit Zitronen- und Orangenbäumen.


Eiben stark zurückgegangen


Beim Gang durch den Park konnten die Besucher eine Eibe – auch diese Bäume sind stark zurückgegangen – mit etwa 100 Jahresringen entdecken oder einen Blauglockenbaum, der schon schon vor dem Austrieb blüht und trotz seiner Exotik unter der Trockenheit leidet. Ein im Herbst blühender Schnurrbaum und eine große Buche, die nicht extra gepflanzt wurde, sondern ein Sämling sein dürfte und mehrere Bäume in sich vereint, beeindruckten die Besucher. Bäume aus Asien wie der Lebkuchenbaum oder ein Ginkgo, ein Amberbaum aus Nordamerika, an dem man die Trockenheit ebenso sehen kann wie bei leidenden Fichten, Ulmen und Ahorn – zu allen erfuhren die Gäste Details, bevor man unter dem Buchen-Bogengang durchging, der auf englische Gartenkultur zurückgeführt wird.


Vorbei an einer Zypresse, einem Urweltmammutbaum, der im Winter die Nadeln verliert, wurde die heutige Festwiese erreicht. Sie sei früher der Reitplatz gewesen und „Hier blühen im Frühjahr 4000 Narzissen“, sagte Siegner, bevor sie die kleine Gästeschar an eine megahohe Kiefer auf dem ehemaligen Pferdeauslauf führte. Ein Traum, aber auch schon sehr trocken, so der Kommentar der Führerin. Nach verschiedenen Staudenarten und Schwarznüssen gab es einen erweiternden Retro-Blick von der alten Platane zurück aufs Schloss.

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