Avantgardistische Klänge - Werkstattkonzert - Das Duo Fusion mit Bassposaune und Marimbaphon glänzt mit einem außergewöhnlichen Format im Autohaus Müller in Donzdorf. Von Annerose Fischer-Bucher

Die beiden jungen Frauen, seit 2017 Stipendiaten der Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler, spielen erst seit einem Jahr zusammen. Was Maxine Troglauer (Bassposaune) und Vanessa Porter (Marimba und Percussion) bei ihrem Werkstatt-Kammerkonzert im Donzdorfer Autohaus Müller auszeichnete, war der Mut zu avantgardistischen Klangexperimenten. Dazu hatten sie mit ihrer ungewöhnlichen Kombination zweier Instrumente eine ungewöhnliche Location ausgewählt.


In die große Werkstatthalle – das Publikum ist in der Mitte von glänzenden Limousinen umgeben – passte die Auswahl der durchgehend zeitgenössischen Stücke exzellent, zumal das Ambiente mit gedämpften roten und blauen Scheinwerfern einen Hauch von Exotik ausstrahlte. Nur einmal erwiesen die beiden jungen Künstlerinnen der Klassik in Form der zweistimmigen Invention Nr. 13 von Johann Sebastian Bach Referenz, indem die Bassposaune die linke Hand und das Marimbaphon die rechte Hand des ursprünglichen Klavierstückes ausführte.


Komponisten wie Daniel Schnyder oder Jonas Schön, der original für das Duo komponiert hat, standen im Zentrum. Genre-übergreifend, mit Jazzelementen durchsetzt, auf verschiedene klassische Formen wie die Fuge zurückgreifend, zwischen Tonalität und Atonalität angesiedelt und ihre Instrumente in ihren Klangfarben auslotend, boten die jungen Künstlerinnen in erster Linie ein Feuerwerk an Klängen.


Da schnarrte, donnerte, sang und schmeichelte die Bassposaune von Maxine Troglauer virtuos und Vanessa Porter stand dem in nichts nach, wenn sie das Marimba- und das Vibraphon bearbeitete und hin- und herspringen musste, um die Tonplatten zu erreichen. Mit einem Stab die darunterliegenden Resonanzröhren streichelnd, erwies sie sich als Meisterin von Dunklem, Hellem, Spitzem, von glockenartigen Metallklängen und von weichen und harten Fellklängen beim Schlagzeug.


Erstaunlich auch das homogene Zusammenspiel des noch jungen Duos, das abwechselnd und höchst charmant dem Publikum die Beschränkung auf eine stilistische Art der Musik nahebrachte. Ein Höhepunkt war sicher „Le corps à corps“ von Georges Aperghis für Zarb (iranische Trommel ohne Schwingung) und Singstimme. Porter benützte die Sprache als ein explosives Gemisch aus dynamisierten Rhythmussilben, erinnernd an archaisch schreiende Ausbrüche und Wehklagen, um dann dem Publikum zu erklären, dass es sich um ein Motorradrennen gehandelt habe.


Ein weiterer Höhepunkt war die Wiederholung des 3. Satzes einer Sonate von Schnyder als Zugabe mit noch mehr Plastizität in der Harmonik durch Tempo. Man darf gespannt sein, ob sich das Duo in Zukunft auch auf ein breiteres Repertoire einlassen wird. Großer Beifall des zahlreichen Publikums am Ende.

Die Instrumente des Duos Fusion
Bassposaune hat einen Umfang zwischen dem tiefen Subkontra B bis zum hohen anstrengenden Register des zweigestrichenen C und erfordert Lippenspannung und eine Leichtigkeit der Zugbeherrschung.
Marimbaphon enthält fünfeinhalb Oktaven und wird mit bis zu vier Schlägeln auf Holz angeschlagen, das Vibraphon auf Metallplatten.

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