Schöner Tag ohne Nebenwirkungen - Gesundheit - Einen außergewöhnlichen Schminkkurs gab es in der Klinik am Eichert – Das Wohlbefinden krebskranker Frauen soll gesteigert werden. Von Annerose Fischer-Bucher

Risiken und Nebenwirkungen gibt es an diesem Nachmittag im 11. Stock der Klinik am Eichert für die zehn teilnehmenden Frauen nicht. In einem Besprechungsraum für besondere Anlässe, dem schönsten und höchsten Raum der Klinik, in den man nur über zwei Treppen gelangt, hat man durch die vielen Fenster einen fantastischen Rundblick. Die Sonne scheint herein und am großen Tisch gibt es Kaffee und Kuchen für die Gäste, die alle eine Krebserkrankung haben und in ambulanter Behandlung sind.


„Wir möchten als Klinik den Frauen etwas Positives zum Wohlfühlen zurückgeben, nachdem sie Eingriffe wie Operationen, Chemotherapie und Übelkeit erlebt haben“, sagt Dr. Iris Schüle, Psychoonkologin der Klinik, während sie die Gäste umsorgt und bedient. Zusammen mit ihrer Kollegin Ursula Peluso hat sie zum Schminkkurs für krebskranke Frauen eingeladen. Es ist kein Schminkkurs im üblichen Sinne, obwohl die ehrenamtlich tätige Kosmetikerin Andrea Stodko aus Ulm die Techniken eines guten Schminkens professionell vermittelt und in zwölf detaillierten Schritten mit den anwesenden Frauen übt.


Krebs bedeutet Stress für Körper und Seele und da tut Entspannung gut. Die Therapien sind nicht nebenwirkungsfrei und oft leidet die Haut und ist besonders empfindlich. Wimpern, Augenbrauen und Haare gehen verloren und Augenringe stellen sich ein.


An dieser Stelle setzt das Seminar, das von DKMS Life gesponsert wird, an. Den Patientinnen wird gezeigt, wie sie sich so schminken können, dass neues Selbstbewusstsein entsteht und dass sie sich fühlen können wie vor der Erkrankung. Vor jeder Frau steht ein Kosmetikspiegel und es gibt eine Tasche mit Produkten im Wert von 250 Euro, die jetzt aufgemacht werden soll. Noch ist es still und die Teilnehmerinnen üben das Grundieren, Pudern, Rouge, Lidschatten und Wimpern sowie Augenbrauen ersetzen mit Stiften, Spatelchen, Pinseln, Tuben und Töpfchen. Die Kunst des Tuchbindens und das Spielen mit bunten Tüchern, wenn die Haare ausgefallen sind, nimmt einen extra Stellenwert ein. Aber so nach und nach kommen die Frauen miteinander ins Gespräch, indem jemand eine neue Technik weiß oder eine andere sagt, der Maler sei da, worauf alle herzhaft lachen.


Klappt es nicht ganz mit dem Schminken, ist sofort tätige Unterstützung und Beratung für jede einzelne da, zu der auch eine Gesundheits-Krankenpflegerin der Klinik gehört, falls bei jemand eine Kreislaufschwäche auftritt. Die Stimmung wird gelöster und man hört, wie sich Gespräche entwickeln, die sich mehr und mehr auf die jeweilige persönliche Situation mit den verschiedenen Krebsarten verlagern, und wie Tipps ausgetauscht werden.


Das Ziel sei die seelische Unterstützung in der Krankheitsverarbeitung und das „Leben-Lernen mit dem Krebs“, so Schüle, die alle Patientinnen persönlich kennt und anspricht. Sie betreut seit 19 Jahren ausschließlich krebskranke Patienten und hat seitdem etwa 1000 Patientinnen an das kleine Seminar herangeführt, das alle zwei Monate mit etwa zehn Teilnehmerinnen stattfindet.


Nach ihrer Erfahrung genießen es die Frauen, bedient zu werden, sie nehmen etwas mit, haben sich ausgetauscht und Kontakte geknüpft mit Leidensgenossinnen, die in einer ähnlichen Situation sind. Es ist, als ob ein Fenster nach draußen und nach drinnen aufgemacht worden wäre: ein Weg aus der Isolation durch das sich selber Pflegen und Wichtig nehmen. Indem sie über ihre Situation reden und sich auf ihre Schönheit besinnen nach bisweilen langen Aufenthalten im Krankenhaus.

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